Spiritueller Weg über den Stadtfriedhof

Spiritueller Weg über den Stadtfriedhof

Am Freitagnachmittag, den 6. Juni – unmittelbar vor dem Pfingstwochenende – fand eine besondere Fortbildung der Notfallseelsorge Biberach statt. Das Angebot war kein klassisches Seminar, sondern ein besinnlich-spiritueller Spaziergang über den Stadtfriedhof Biberach – ein Ort, der wie geschaffen ist für Achtsamkeit und innere Einkehr.

Der Stadtfriedhof Biberach, geplant vom renommierten Architekten Günter Grzimek – bekannt unter anderem für sein Hauptwerk, den Olympiapark in München –, wurde 1962 konzipiert und zeichnet sich durch seine Grabfeldstruktur in Form eines Sechseckmusters aus. Doch dieser Ort ist weit mehr als eine Begräbnisstätte: Mit seinen großzügigen Grünflächen, kleinen Seen, ruhigen Wegen und der eindrucksvollen landschaftsarchitektonischen Gestaltung wirkt er wie eine Oase der Ruhe am Rande der Stadt. Die friedliche Atmosphäre, das Vogelgezwitscher, das Lichtspiel zwischen Bäumen und Wegen – all das lädt dazu ein, den Alltag loszulassen und sich auf das Wesentliche zu besinnen.

 

 

Im Mittelpunkt unseres Weges stand das Motto „Glaube, Liebe, Hoffnung“. Diese Worte begleiteten uns in besonderer Weise und öffneten einen inneren Raum für Reflexion, spirituelle Tiefe und gemeinsames Nachdenken.

 

 

 

 

Ebenso stand das Thema Wandel im Zentrum: der Wandel des Lebens, der Wandel im Erleben – und der Wandel zwischen Leben und Tod. Ein Übergang, der auf diesem besonderen Ort spürbar wird, ohne Distanz zum Unbekannten zu schaffen. Stattdessen öffnet sich ein Raum der Ruhe, Würde und Zuversicht – mit Nähe zu den tiefsten Poren der Seele.

Dieses besondere Angebot wurde von Frau Iris Espenlaub und Herrn Thomas Lerner gestaltet. Mit viel Feingefühl und Tiefe integrierte Iris poetisch-lyrische Elemente in den Spaziergang – in Form eigener, feinfühlig formulierter literarischer Texte. Ihre Impulse regten zur persönlichen Reflexion an und schufen Momente der Stille, des Nachdenkens und der Verbindung mit sich selbst:

„Ich glaube, mein Leben würde nach Deinem Tod für immer dunkel, voll Trauer und Schmerz bleiben.
Ein Meer aus Tränen überschwemmte alles.
Doch in meiner Trauer kam irgendwann ein Lichtschein durch, dann noch einer und noch einer – und so riss der Himmel nach und nach auf ...
Ein Lichtstreif Hoffnung am Horizont … und Momente, die meine Trauer veränderten.
Ich begann wieder, Perspektiven für mich zu entdecken. Erst zaghaft, dann Schritt für Schritt mehr …
Ich habe gespürt: Ich kann damit leben – wenn ich es als Teil meines Lebens zulasse.
Es ist mein Leben – und hell und dunkel dürfen nahe beieinanderliegen.“
(Iris Espenlaub)

Die Begeisterung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer über diese besondere Form der Fortbildung begleitete uns vom Anfang bis zum Ende. Viele nahmen sich vor, diesen Ort künftig öfter für stille Spaziergänge und persönliche Rückzugszeiten zu nutzen.

Wir danken Iris und Thomas herzlich für dieses inspirierende Angebot – und dem Stadtfriedhof Biberach für seine stille Schönheit, die weit über seine eigentliche Funktion hinausreicht.

Text und Fotos: Olja Ilic